Vielleicht begegnen wir uns nie zufällig
- Sabine

- 8. Juli
- 6 Min. Lesezeit
„Schatz, dieses Mal fühlt sich Mallorca irgendwie anders an.“
Ich weiß noch genau, wie ich diesen Satz zu Flo gesagt habe. Wir saßen im Auto, die Fenster waren geöffnet und die warme Sommerluft strömte herein. Vor uns lag die Straße Richtung Port de Pollença. Links und rechts die Palmen, das goldene Licht, das Meer in der Ferne. Flo schaute mich an, lächelte und fragte: „Anders? Wie meinst du das?“
Ich musste einen Moment überlegen.
„Ich weiß es gar nicht genau. Es fühlt sich nicht so an, als wären wir im Urlaub. Es fühlt sich an, als wären wir nie weg gewesen.“
Und genau das war es.
Mallorca hat sich für mich schon immer wie ein Stück Zuhause angefühlt. Jedes Mal, wenn ich dort lande, kehrt eine Ruhe in mir ein, die ich kaum beschreiben kann. Dieses Mal war es aber noch einmal anders. Es war nicht dieses Gefühl, irgendwo anzukommen. Es war vielmehr das Gefühl, als würden wir schon immer dort leben. Als wären wir einfach ein Teil dieser Insel.
Vielleicht lag es daran, dass wir dieses Mal nicht nur die Insel erlebt haben, sondern auch die Menschen, die sie ihr Zuhause nennen.
Schon an unserem ersten Tag schrieb mir Maya.
„Roman und ich gehen heute Abend zum Yoga. Habt ihr Lust mitzukommen? Ich weiß, ihr seid gerade erst angekommen, aber ich dachte, ich frage einfach mal.“
Allein diese Nachricht hat mein Herz berührt.
Wir kannten uns nicht seit Jahren. Eigentlich hatten wir uns erst letztes Jahr auf Mallorca bei einem gemeinsamen Abendessen kennengelernt. Und doch gibt es Menschen, bei denen man vom ersten Moment an das Gefühl hat, dass etwas Vertrautes zwischen euch liegt.
Seit diesem Abend hatten wir immer wieder Kontakt. Mal über Instagram, mal über WhatsApp. Kleine Nachrichten zwischendurch. Ein kurzer Austausch. Und trotzdem hatte ich das Gefühl, eine Freundin wiederzusehen.
Wir trafen uns in einer kleinen Strandbar direkt am Meer. Während die Sonne langsam tiefer sank, saßen wir zusammen, tranken etwas und redeten, als hätten wir uns erst gestern gesehen. Danach liefen wir gemeinsam an der Promenade entlang zu einem kleinen Plateau, das aufs Wasser hinaus ragte. Dort fand die Yogastunde statt.
Während ich auf meiner Matte saß und den Blick über das Meer schweifen ließ, dachte ich nur: Genau deshalb liebe ich diesen Ort.
Nach dem Yoga trafen wir uns wieder mit Flo in der Strandbar. Wir saßen zusammen, aßen, lachten und redeten bis spät in den Abend.
Einen Tag später waren wir erneut gemeinsam unterwegs. Wir saßen an der Strandpromenade, schauten aufs Meer und führten Gespräche, die weit über Smalltalk hinausgingen.
Auf dem Rückweg sagte Maya etwas, das mir bis heute im Herzen geblieben ist.
„Ich finde es so schön, dass du dir dieses Positive bewahrt hast. Ich bin mir sicher, dass auch in deinem Leben nicht immer alles leicht war. Und trotzdem trägst du diese Leichtigkeit und Positivität in dir.“
Ich musste lächeln.
Nicht, weil ich dachte, dass mein Leben immer leicht gewesen wäre.
Sondern weil ich wusste, was sie meinte.
Es geht nicht darum, dass immer alles schön ist.
Es geht darum, wie wir uns entscheiden, auf das Leben zu schauen.
Vielleicht ist genau das das größte Geschenk, das uns Herausforderungen machen können.
Sie nehmen uns nicht unser Licht.
Sie zeigen uns, wie wertvoll es ist.
Ein paar Tage später durfte ich eine weitere Begegnung erleben, die mich tief berührt hat.
Schon vor unserer Reise hatte ich mir manifestiert, dass ich wundervolle Menschen kennenlernen darf. Menschen, die mein Herz berühren. Gespräche, die bleiben.
Und genau so kam es.
Auf einer wunderschönen Finca fand ein Klangschalen-Event statt. Ein Ort, den ich schon lange einmal besuchen wollte. Als wir ankamen, wirkte alles sehr elegant. Viele schick gekleidete Menschen, laute Gespräche, eine gewisse Exklusivität. Flo grinste mich an und meinte nur: „Hättest du mir das vorher gesagt, hätte ich vielleicht etwas anderes angezogen.“
Ich musste lachen.
Mir war das völlig egal.
Ich war nicht wegen der Menschen dort.
Ich war wegen der Atmosphäre dort.
Wegen der Finca.
Wegen der Klangschalen.
Während wir später auf Luftmatratzen im Pool lagen und den Klängen lauschten, flog eine Drohne über uns hinweg. Genau darüber unterhielt sich im Nachgang ein Paar neben uns.
Ich hörte zu, nickte und sagte schließlich: „Genau das habe ich auch gedacht.“
So begann unser Gespräch.
Katja und Thomas.
Zwei Menschen, die wir wenige Stunden vorher noch nicht kannten.
Später nahmen sie uns mit auf den höchsten Punkt der Finca. Ganz oben befand sich ein kleines Yoga-Plateau mit einem atemberaubenden Blick über die Landschaft. Während unten Musik spielte und Menschen feierten, war dort oben nur Ruhe.
Wir setzten uns auf eine Bank.
Flo und Thomas unterhielten sich.
Katja und ich begannen zu reden.
Je länger wir sprachen, desto mehr hatte ich das Gefühl, mich selbst zu hören.
Sie erzählte mir, dass sie schon immer gespürt hatte, dass sie nach Mallorca gehört. Dass sie irgendwann alles hinter sich ließ und heute genau dort mit ihrem Mann lebt.
Dann schaute sie mich an und sagte einen Satz, den ich wahrscheinlich nie vergessen werde.
„Du gehörst auch nach Mallorca.“
Ich musste lächeln.
Nicht, weil ich überrascht war.
Sondern weil ich dieses Gefühl selbst schon so oft hatte.
Sie schaute mich noch einmal an.
„Du hast ein wunderschönes Kleid an. Aber weißt du, was viel mehr strahlt als dein Kleid? Deine Augen. Sie leuchten wie die Sonne.“
Dieser Satz hat etwas in mir berührt.
Nicht, weil es ein Kompliment war.
Sondern weil ich mich gesehen fühlte.
Menschen haben mir schon oft gesagt, dass sie in meinen Augen das Meer sehen.
Dass sie dieses tiefe Blau fasziniert.
Aber noch nie hatte jemand mein inneres Strahlen in meinen Augen beschrieben.
Vielleicht, weil genau das sichtbar wird, wenn wir mit uns selbst verbunden sind.
Das Gespräch mit Katja endete mit einer Erkenntnis, die viel größer war als Mallorca.
Ich fragte sie, was sie beruflich macht.
Sie erzählte mir, dass sie viele Jahre ein großes Familienunternehmen geführt hatte und heute als Persönlichkeitscoach arbeitet.
Auf dem Heimweg dachte ich darüber nach.
Nicht darüber, ob ich irgendwann auch Coach werden möchte.
Sondern darüber, was mich eigentlich schon mein ganzes Leben begleitet.
Und plötzlich war sie da.
Die Antwort.
Ich verbinde Menschen.
Nicht erst heute.
Schon immer.
Als Kind gab es in der Schule die „Coolen“ und die „Nicht-so-Coolen“.
Ich gehörte irgendwie zu beiden Gruppen.
Und irgendwann dachte ich mir, warum eigentlich?
Warum müssen wir uns voneinander trennen?
Also begann ich, sie miteinander zu verbinden.
Ich zeigte jeder Gruppe die Stärken der anderen.
Plötzlich entstanden Gespräche.
Gemeinsame Momente.
Neue Freundschaften.
Später wurde daraus etwas ganz Natürliches.
Ich brachte Menschen zusammen, weil ich spürte, dass sie sich guttun würden.
Eine Freundin von mir hatte ein ähnliches Schicksal wie eine andere Bekannte. Anfangs wollte sie mit ihr nichts zu tun haben. Heute sind die beiden eng befreundet.
Nicht, weil ich sie überredet habe.
Sondern weil ich gespürt habe, dass ihre Herzen sich verstehen würden.
Heute mache ich im Grunde genau das Gleiche.
In meinen Yogastunden.
Bei meinen Retreats. Bei Yoga & Dinner.
Ich öffne Räume. Und in diesen Räumen entstehen Begegnungen. Freundschaften.
Verbindungen.
Vielleicht ist Yoga gar nicht das, was ich am meisten liebe.
Vielleicht liebe ich das, was dadurch entsteht.
Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr glaube ich auch an das Gesetz der Anziehung.
Nicht, weil ich glaube, dass das Universum uns jeden Wunsch erfüllt.
Sondern weil ich überzeugt bin, dass wir genau das in unser Leben einladen, wofür wir offen sind.
Ich wünsche mir Begegnungen.
Ich begegne wundervollen Menschen.
Ich glaube an das Gute.
Und immer wieder begegnen mir Menschen, die genau diese Haltung teilen.
Vielleicht ist das kein Zufall.
Vielleicht erkennen sich gleiche Frequenzen einfach.
Als wir wieder im Flugzeug saßen, schaute ich noch einmal aus dem Fenster.
Ich liebe Mallorca. Ich liebe das Licht. Das Meer.
Die Sprache. Die Gelassenheit.
Und trotzdem habe ich mich genauso darauf gefreut, wieder nach Hause zu kommen.
Zu unseren Kindern. Zu meiner Familie.
Zu meinen Freunden. Zu meinem Zuhause.
Früher dachte ich, ich müsste mich zwischen Fernweh und Heimat entscheiden.
Heute weiß ich, dass mein Herz groß genug für beides ist.
Ein Teil von mir schlägt für diese Insel.
Ein anderer schlägt hier.
Und genau das fühlt sich richtig an.
Was ich von dieser Reise mitnehme, sind nicht nur Erinnerungen an wunderschöne Orte.
Ich nehme Gespräche mit. Begegnungen.
Menschen. Und die Erkenntnis, dass das, wonach ich manchmal im Außen suche, schon immer in mir war.
Vielleicht ist genau das meine Aufgabe.
Menschen miteinander zu verbinden.
Räume zu schaffen, in denen aus Fremden vertraute Gesichter werden.
In denen gelacht wird.
In denen Menschen nach Hause gehen und das Gefühl haben, gesehen worden zu sein. In denen Menschen ein gemeinsames Projekt starten.
Und vielleicht war genau das das größte Geschenk dieser Reise.
Nicht die Insel. Nicht das Meer. Nicht die Sonne.
Sondern die Erinnerung daran, wer ich schon immer war.
Denn ich glaube nicht mehr daran, dass Menschen zufällig in unser Leben kommen.
Ich glaube, sie begegnen uns genau dann, wenn unsere Herzen bereit sind.

Und vielleicht ist Zuhause am Ende gar kein Ort.
Vielleicht ist Zuhause überall dort, wo wir uns selbst begegnen dürfen und Menschen treffen, die uns daran erinnern, wer wir wirklich sind.




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