Becoming home: Selbstliebe heißt, dir selbst zu vertrauen
- Sabine

- 21. Jan.
- 5 Min. Lesezeit
Manchmal ist es nicht so, dass das Leben „zu viel“ ist.
Manchmal ist es eher so: Das Leben ist einfach voll. Und laut. Und schnell.
Und wir lernen, damit klarzukommen – indem wir funktionieren.
Wir stehen auf, machen, leisten, geben, organisieren.
Wir halten Dinge zusammen, wir sind da, wir kümmern uns.
Und irgendwann merken wir: Ich bin zwar die ganze Zeit unterwegs…
aber nicht unbedingt bei mir.
Dann kommt dieser Moment, in dem etwas in dir leise fragt:
„Und was ist eigentlich mit mir?“
Und genau da beginnt für mich Selbstliebe.
Nicht als großes Gefühl.
Sondern als kleine Entscheidung: Ich komme zurück. Ich wähle mich.
Being yourself ist kein Trend – es ist ein Heimweg
„Sei einfach du selbst“ klingt so leicht.
Aber viele von uns wissen: Das ist oft das Schwierigste überhaupt.
Weil wir früh gelernt haben, dass es sicherer ist, angepasst zu sein.
Dass es leichter ist, zu gefallen.
Dass Liebe manchmal an Bedingungen geknüpft wirkt:
„Wenn ich so bin, dann bin ich richtig.“
„Wenn ich so bin, dann werde ich gemocht.“
„Wenn ich so bin, dann störe ich nicht.“
Und so bauen wir uns Versionen von uns selbst:
funktionierend, stark, freundlich, hilfsbereit, verständnisvoll.
Und das ist nicht „falsch“. Das ist oft Überleben.
Aber irgendwann wird es eng.
Being yourself bedeutet dann nicht, „lauter“ zu werden oder „mehr“ zu zeigen.
Es bedeutet, Schichten abzulegen.
Rollen. Erwartungen. People Pleasing.
Dieses ständige „ich müsste…“.
Und darunter wieder das zu finden, was echt ist:
deine Wahrheit.
dein Tempo.
dein Ja.
dein Nein.
dein Herz.
Das ist ein Heimweg.
Und ja – manchmal braucht dieser Heimweg Mut.
Deine innere Stimme ist leise – aber sie ist klar
Die innere Stimme schreit selten.
Sie flüstert. Und sie spricht oft durch deinen Körper.
Du kennst das vielleicht:
Ein Ja fühlt sich weit an. Aufrichtend. Leicht.
Ein Nein fühlt sich eng an. Druck im Brustkorb. Unruhe.
Manchmal ist es ein Ziehen im Bauch, ein Kloß im Hals, ein „ich will weg“ ohne Worte.
Und trotzdem übergehen wir uns so oft.
Nicht, weil wir „falsch“ sind – sondern weil wir es gewohnt sind.
Weil wir gelernt haben, dass es wichtiger ist, zu funktionieren, als zu fühlen.
Selbstliebe bedeutet für mich:
diese Signale nicht kleinzureden.
nicht wegzuschieben.
nicht zu warten, bis es irgendwann „nicht mehr geht“.
Sondern früher zu hören.
Ehrlicher. Sanfter. Konsequenter.
Und manchmal fängt das so klein an:
ein Atemzug
eine Pause
eine Frage an dich selbst
Choosing yourself: dich immer wieder wählen (nicht nur einmal)
Ich glaube, das Missverständnis bei Selbstliebe ist oft:
Wir denken, es ist ein Zustand. Den man irgendwann erreicht.
So nach dem Motto:
„Wenn ich erst mehr Selbstvertrauen habe…“
„Wenn ich erst wieder ruhiger bin…“
„Wenn ich erst XY geschafft habe… dann liebe ich mich.“
Aber Selbstliebe ist für mich eine Praxis.
Ein tägliches Wiederkommen.
Choosing yourself heißt nicht: „Ich stelle mich über alle.“
Choosing yourself heißt: Ich stelle mich nicht mehr unter alle.
Es sind diese kleinen Entscheidungen, die so unscheinbar wirken, aber alles verändern:
Ich ruhe mich aus, bevor ich ausbrenne.
Ich sage Nein, ohne mich zu erklären.
Ich gehe früher aus einer Situation, die mir nicht gut tut.
Ich spreche ehrlich aus, was ich brauche.
Ich erlaube mir, Hilfe anzunehmen.
Ich höre auf, mich ständig zu vergleichen.
Choosing yourself ist nicht immer bequem.
Aber es ist befreiend.
Weil du beginnst, dir selbst zu vertrauen.
Selbstliebe ist „Egoismus“ – aber ein gesunder
Und ich würde sogar sagen: Selbstliebe ist eine Art Egoismus.
Ein positiver Egoismus. 🤍
Viele strugglen damit, weil wir oft so gelernt haben:
Wenn ich an mich denke, bin ich egoistisch.
Wenn ich Grenzen setze, tue ich in dem Moment „nichts“ für andere.
Wenn ich mich ausruhe, bin ich nicht produktiv.
Wenn ich Nein sage, enttäusche ich jemanden.
Aber genau hier liegt das Missverständnis:
Selbstliebe ist kein Egoismus, der andere klein macht.
Selbstliebe ist ein Egoismus, der dich gesund hält.
Denn wenn ich immer nur gebe und mich dabei selbst verliere,
dann wird aus mir irgendwann nicht „mehr Liebe“…
sondern weniger.
Und da passt dieses Beispiel aus dem Flugzeug so gut:
Erst die eigene Sauerstoffmaske aufsetzen, dann den anderen helfen.
Nicht, weil die anderen unwichtig sind.
Sondern weil du ohne Luft niemandem helfen kannst.
Genauso ist es im Leben:
Wenn ich keine Luft habe, wenn ich nicht auf mich achte,
wenn ich meine Bedürfnisse übergehe und meine Grenzen nicht ernst nehme,
dann habe ich irgendwann auch keine Kraft mehr für die Menschen, die ich liebe.
Choosing yourself heißt also nicht: „Ich denke nur noch an mich.“
Choosing yourself heißt: Ich vergesse mich nicht mehr.
Und ja – wenn man dafür das Wort Egoismus benutzen will,
dann ist es für mich dieser positive Egoismus:
Ein gesundes „Ich zuerst“, damit ich überhaupt „wir“ sein kann.
Dein bester Freund sein – statt dein strengster Kritiker
Viele von uns tragen einen inneren Antreiber in sich.
Eine Stimme, die sagt:
„Reiß dich zusammen.“
„Du musst noch mehr.“
„Das ist nicht genug.“
„Andere schaffen das doch auch.“
Und dann wundern wir uns, warum wir uns innerlich so unruhig fühlen.
Stell dir mal vor, du würdest so mit deiner besten Freundin sprechen –
wenn sie müde ist, überfordert ist, traurig ist.
Du würdest es nicht.
Du würdest sie halten. Du würdest sie beruhigen. Du würdest ihr gut zureden.
Und genau das ist Selbstliebe:
diese Beziehung zu dir selbst zu verändern.
Nicht immer nett reden, wenn du es nicht fühlst.
Aber ehrlich und liebevoll sein.
Manchmal klingt Selbstliebe so:
„Ich sehe, dass es gerade viel ist.“
„Ich darf langsamer.“
„Ich darf Fehler machen.“
„Ich bin nicht falsch, nur weil es gerade schwer ist.“
„Ich bin an meiner Seite.“
Das ist Freundschaft mit dir selbst.
Und sie verändert alles.
Deine Power ist nicht laut – sie ist präsent
Wir verwechseln Stärke oft mit Härte.
Mit „Augen zu und durch“.
Mit „bloß keine Schwäche zeigen“.
Aber echte Power ist für mich etwas anderes.
Power ist, wenn du bei dir bleibst, auch wenn es wackelt.
Wenn du dich nicht verlässt, um zu funktionieren.
Wenn du nicht alles mitmachst, nur weil du es könntest.
Power ist auch:
dein Nervensystem zu beruhigen, statt dich weiter zu pushen.
dir Ruhe zu erlauben, ohne Schuldgefühl.
deine Wahrheit zu sprechen, auch wenn die Stimme dabei zittert.
Deine Power ist nicht laut.
Sie ist eine Präsenz.
Ein inneres „Ich bin da“.
Bessere Fragen, bessere Antworten
Eine der größten Veränderungen auf dem Weg der Selbstliebe ist:
die Fragen, die du dir stellst.
Denn deine Fragen bestimmen, in welche Richtung du denkst –
und wie du mit dir umgehst.
Statt:
„Was stimmt nicht mit mir?“
frag: „Was brauche ich gerade?“
Statt:
„Wie mache ich es allen recht?“
frag: „Was ist heute ehrlich für mich?“
Statt:
„Warum bin ich so empfindlich?“
frag: „Was will mir dieses Gefühl zeigen?“
Statt:
„Wie halte ich das noch aus?“
frag: „Was würde mir jetzt wirklich gut tun?“
Bessere Fragen bringen dich zurück zu besseren Antworten.
Und vor allem: zurück zu dir.
Become home: das schönste, was du werden kannst, bist du selbst
Und genau hier schließt sich für mich alles zusammen.
“The most beautiful thing you can become is yourself — welcome home.”
„Welcome home“ bedeutet für mich:
Ich höre auf, mich im Außen zu suchen.
Ich höre auf, mich zu verbiegen, um sicher zu sein.
Ich beginne, mir selbst ein Zuhause zu werden.
Ein Zuhause ist ein Ort, an dem du nicht leisten musst, um bleiben zu dürfen.
Ein Zuhause ist ein Ort, an dem du atmen kannst.
Ein Zuhause ist ein Ort, an dem du weich sein darfst.
Und genau das darfst du für dich selbst werden.
Eine sanfte Einladung für deinen Alltag
Du musst nicht heute dein ganzes Leben umkrempeln.
Aber du kannst heute einen kleinen Schritt machen.
Vielleicht ist es:
ein echtes Nein
eine Pause ohne Rechtfertigung
eine Nachricht an jemanden, der dir gut tut
fünf Minuten frische Luft
ein „Ich bin stolz auf mich“ statt ein „nicht genug“
ein Moment Hand aufs Herz und zurück in den Körper
Und dann morgen wieder.
Denn Selbstliebe ist kein Ziel, das du irgendwann erreichst.
Selbstliebe ist ein Heimweg, den du immer wieder gehst.
Und du darfst heute anfangen.





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