Sisterhood: Gemeinsam tragen wir mehr, als wir denken
- Sabine

- 22. Feb.
- 4 Min. Lesezeit
„Es begann nicht mit Mut. Es begann mit Menschen, die geblieben sind.“
Bei mir hat Sisterhood nicht erst angefangen, als ich beruflich losgegangen bin, sondern viel früher, ganz privat. Bevor ich mich getrennt habe, hat mein Körper längst angefangen zu sprechen. Ich war krank. Mein Körper hat mir Signale gegeben, dass er so nicht mehr kann. Ich habe noch versucht weiterzumachen, so wie man das eben macht, wenn man stark sein will und hofft, dass es irgendwie wieder wird. Aber der Körper ist ehrlich. Irgendwann war klar: Es geht nicht darum, noch mehr auszuhalten, sondern darum, wieder atmen zu können. Und genau in dieser Zeit waren Menschen da. Nicht nur Freundinnen, sondern auch Familie. Menschen, die nicht diskutiert haben, ob das „wirklich nötig“ ist, sondern hinter mir standen. Die mich nicht klein gemacht haben, sondern gestärkt. Die mir das Gefühl gegeben haben: Du darfst dich für dich entscheiden.
Nach zwei Trennungen stand ich zweimal alleinerziehend da. Das ist so ein Satz, den man schnell ausspricht, und doch steckt da so viel Leben drin. Verantwortung, Müdigkeit, dieses Stillwerden, wenn die Kinder schlafen und man auf einmal merkt, wie laut es im Inneren ist. Und wieder war ich nicht allein. Da waren Frauen, die wie Familie sind, und Familie, die wie ein Anker ist. Da waren Menschen, die nicht nur gefragt haben, wie es geht, sondern geblieben sind, wenn die Antwort schwer war. Das war Sisterhood im echten Leben. Nicht als Idee, sondern als Hilfe. Als Wärme. Als jemand, der kurz mitträgt.
Und dann gibt es diese Frauenfreundschaften, die sich nicht nach „Kontakt“ anfühlen, sondern nach Zuhause. Man schaut sich an und irgendetwas sagt sofort: Du. Diese Vertrautheit, die keinen Lebenslauf braucht. Manchmal ist Sisterhood ein Gespräch, das dich sortiert. Manchmal ist es ein „Ich komm kurz rüber“. Manchmal ist es ganz praktisch. Ein Essen vor der Tür. Ein Kind, das kurz übernommen wird. Ein Satz, der dich rettet, wenn du selbst gerade nicht weißt, wie du weitermachen sollst.
„Und dann hab ich angefangen, meine Träume nicht nur zu fühlen, sondern zu leben.“
Später hat sich dieses Netz auch in meinem beruflichen Leben gezeigt. Als ich mein Buch geschrieben habe, war das nicht nur Schreiben, das war Mut. Sich zeigen. Dranbleiben. Und ich hatte wundervolle Frauen an meiner Seite, die mich dabei unterstützt haben. Sie haben drüber gelesen, verbessert, mitgedacht, mich ermutigt und dafür gesorgt, dass es nicht bei einer Idee bleibt, sondern wirklich in den Druck geht. Und dann dieses Geschenk, das mich bis heute berührt: Frauen, die aus meinen Worten Zeichnungen und Letterings gemacht haben. So viel Liebe in Linien. So viel Vertrauen in das, was ich zu erzählen hatte.
Dann kam der Wunsch, Yoga zu unterrichten. Ich habe die Ausbildung gemacht, mit dieser Mischung aus Vorfreude, Aufregung und den ganz normalen Zweifeln. Und auch da waren Frauen, die mich in die richtige Richtung geschubst haben, mir Mut gemacht haben, mir Wissen weitergegeben haben, das man nicht aus einem Skript lernt. Frauen, die mir Menschen vorgestellt haben, mir Räume gezeigt haben, in die ich reinwachsen durfte. In Andalusien durfte ich bei Retreats reinschnuppern und plötzlich sehen, wie wundervoll so etwas sein kann. Dieses Gefühl von: Ja. Da ist etwas in mir, das will das auch.
Als ich angefangen habe, meine Website aufzubauen, hatte ich wieder Frauen an meiner Seite, die drüber gelesen haben, Verbesserungstipps gegeben haben, mir geholfen haben, klarer zu werden. Und ich werde einen Moment nie vergessen: Ich war auf Mallorca und abends allein essen in einem Strandclub. So richtig allein am Tisch. Und trotzdem war ich nicht allein, weil eine Freundin, nachdem ihr Sohn geschlafen hat, noch mit mir bei WhatsApp war und mir Tipps geschickt hat, was ich anpassen kann. Ich saß da mit Meergeräuschen im Hintergrund und habe gemerkt, wie groß so etwas Kleines sein kann. Unterstützung muss nicht laut sein, um tief zu wirken.
Als ich meine ersten Kurse gegeben habe, waren Freundinnen da, die mit vorbereitet haben. Matten ausgerollt, den Raum mit mir gehalten, mir diese seelische Unterstützung gegeben, die man nicht kaufen kann. Dieses „Du machst das“ ohne großes Aufheben. Und genau so ist Sisterhood für mich immer wieder: Wenn jemand da ist, bevor man überhaupt sagen muss, dass man gerade jemanden braucht.
„Danke. Für jedes ‚Ich bin da‘, das mein Leben leichter gemacht hat.“
Und wenn ich das alles so aufschreibe, spüre ich vor allem eins: tiefe Dankbarkeit. Nicht nur, weil ich so viel Unterstützung bekommen habe, sondern weil ich in all diesen Momenten wieder gesehen habe, wie schön dieses Miteinander sein kann. Familie, Freundinnen, neue Gesichter auf dem Weg. Menschen, die nicht groß reden, sondern einfach da sind. Dieses stille „Ich halt dich kurz“, das manchmal mehr heilt als jedes gute Argument.
Wir Frauen tragen so viel. Und wir müssen es nicht alleine tragen. Es gibt diese Hand am Rücken, diesen Satz, dieses „Ich schick dir schnell noch was“, dieses „Ich steh hinter dir“. Und wenn es passiert, fühlt es sich nicht an wie Hilfe von außen, sondern wie ein Erinnern von innen: Du darfst dich anlehnen. Du bist nicht allein.
„Deine Energie findet immer den Weg zurück zu dir.“
Und das ist das Verrückte: Ich war schon immer so. Ich konnte noch nie gut einfach „viel Glück“ sagen und dann weggehen. Wenn ich jemanden sehe, wenn ich jemanden spüre, dann bin ich da. Dann mache ich Mut. Dann denke ich Möglichkeiten laut. Dann teile ich Erfahrungen, weil ich weiß, wie wertvoll ein ehrlicher Satz im richtigen Moment sein kann. Ich liebe es, Frauen zu verbinden. Weiterzuempfehlen. Türen zu öffnen, wo ich kann. Nicht, weil ich denke, ich müsste irgendwas beweisen, sondern weil es sich für mich natürlich anfühlt. Weil ich nie Konkurrenz gesehen habe, wo Verbindung möglich ist. Weil ich glaube, dass wir heller werden, wenn wir einander Licht geben.
Und vielleicht ist genau das gerade mein schönstes Gefühl: Zu merken, dass all das zu mir zurückkommt. Dass diese Unterstützung, diese Wärme, dieses „Ich seh dich“ wieder bei mir landet. Nicht als Rechnung, nicht als „jetzt bist du dran“, sondern wie ein Kreislauf. Wie etwas, das man aussendet und das irgendwann, manchmal genau dann, wenn man es am meisten braucht, wieder anklopft.
Sisterhood ist für mich deshalb kein Trendwort. Es ist eine Haltung. Eine Art zu leben. Und ich bin so dankbar, dass ich in meinem Leben immer wieder Beweise dafür bekomme: Wenn Frauen einander halten, entsteht etwas, das größer ist als wir. Und es trägt.
Let’s grow together. ☀️🤍






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